Octopy Cornelius Bridge

Octopy Cornelius Bridge

Temporäres Bauwerk auf dem Pfeiler der Corneliusbrücke

Ein Krake an einem der begehrtesten Orte Münchens, der Wohnraum für Alle und ein öffentliches Forum mit Isarblick schenkt: dies war die Vision unseres Projektes Octopy Cornelius Bridge beim Wettbewerb ShabbyShabbyApartments der Münchner Kammerspiele.

Wettbewerbsbeitrag Octopy Cornelius Bridge
Octopy Cornelius Bridge – Entwurf: Bernd Bergmann

Der Plan sieht ein spektakuläres Flächentragwerk vor, das zur Straßenseite hin gemütliche Wohnboxen und zur Isar blickend eine halbkreisförmige Tribüne überspannt. So entsteht günstig attraktiver Wohnraum und ein Amphitheater, das mit politischen und artistischen Performances bespielt wird. Mit dieser kreativen Aufteilung macht das Projekt eine Debatte konkret erlebbar und ist ein Statement in der Diskussion über die Gestaltung privater und öffentlicher Räume in der Stadt.

Der Brückenpfeilers der Corneliusbrücke bietet sich für ein solches Experiment an: Als eine Art vergessener Ort, liegt er zwischen dem Straßenverkehr auf der Brücke und der Isar. Diese Schnittstelle von Stadt und Natur fordert die kulturelle Gestaltung geradezu heraus. Aber wie soll sie aussehen? Ist dies ein Platz für Beachpartys oder für die Wiedereinrichtung eines monumentalen Königsdenkmals?

Wie kaum etwas anderes sind Brücken Symbole der verbindenden Gestaltungskraft von Architektur. Mit Octopy Cornelius Bridge machen wir (Bernd Bergmann, Pascal Hoffer, Ana Carrasco-Conde und ich) eine Vorschlag, den Platz auf dem Pfeiler zu nutzen, um gesellschaftliche Brücken zu schlagen.
Das Projekt wurde für den Wettbewerb Shabbyshabby Apartments eingereicht, der von den Münchner Kammerspielen zusammen mit Raumlabor Berlin ausgerichtet wurde. Unter der erstaunlichen Zahl von 270 Einreichungen wurde Octopy Cornelius Bridge von der Jury nicht unter die 23 Projekten gewählt, die im September realisiert werden können. Auch in einer Online-Abstimmung bei Arte Creative, mit der zwei weitere Projekte nominiert wurden, konnte sich das Projekt leider nicht durchsetzen. Mit beachtlichen 334 Stimmen landete es auf einem, im Angesicht der Menge und Qualität der Beiträge, sehr respektablen 94. Platz. Wir danken herzlich allen Unterstützer des Projektes! Wir werden sehen, ob es sich auch jenseits des Wettbewerbes vorantreiben lässt und berichten gerne von seinen weiteren Entwicklungen.

Download: PDF des kompletten Wettbewerbsbeitrages „Octopy Cornelius Bridge“ (2 DIN A3 Seiten)

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La Ritournelle: Ein neuer Film von Marc Fitoussi

Isabelle Huppert entdeckt als normannische Landwirtin Brigitte die Liebe wieder

Ein besonderer Glanz fiel auf das 32. Münchner Filmfest durch die Anwesenheit von Isabelle Huppert. Die französische Filmlegende spielt die Hauptrolle in „La Ritournelle“, dem neuen Films von Regisseur Marc Fitoussi. Zur deutschen Premiere erhielt Huppert, die zum ersten Mal der Einladung nach München gefolgt war, im restlos ausverkauften Sendlinger Tor Kino den CineMerit Award. Die Laudatio hielt Mathieu Carrière. Der deutsche Schauspieler hatte 1991 an der Seite von Huppert in der Bachmann-Verfilmung „Malina“ gespielt. Damals hätten ihn die Kaltblütigkeit und der Mut der Preisträgerin tief beeindruckt, sagte Carrière. Er würdigte Hupperts Kunst nichts zu tun. „Sie macht nichts, außer den Boden zu bohnern, damit wir darauf ausgleiten und in den Abgrund ihrer Figuren stürzen“.

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Brigitte (Isabelle Huppert) und Xavier (Jean-Pierre Darroussin) mit ihren Charolais-Bullen

„La Ritournelle“, ihr neuer Film, handelt von den Freiräumen, die der Mensch braucht um seine Würde zu bewahren, von den Irritationen, die entstehen wo er sie sucht, sowie von der Macht der Liebe, diese wieder zu heilen. Das Thema wird verhandelt anhand einer Episode aus dem Leben des Ehepaares Xavier (Jean-Pierre Darroussin) und Brigitte (Isabelle Huppert). Gemeinsam managen beide einen modernen Zuchtbetrieb für Charolais-Bullen in der Normandie. Als im Nachbarhaus einige junge Pariser eine Party feiern, lernt Brigitte einen jungen Mann kennen. Weiterlesen

Die Schönheit von Pi?

Christoph Drösser wartet in seiner Besprechung des Buches „Die Poesie der Primzahlen“ von Daniel Tammet mit einer intelligenten Bemerkung auf: Der Autor, der die Kreiszahl bis auf 22514 Stellen hinter dem Komma auswendig gelernt habe, fände diese nur deshalb schön, weil er es sich in dieser zufälligen Zahlenfolge

zwecks Memorierung eingerichtet hat. Die nächsten, ihm noch nicht bekannten Stellen könnte er nicht von einer zufällig ausgelosten Folge unterscheiden.

Literaturbeilage der Zeit (Nr. 12, März 2014), S. 67

Das wirft aber auch die Frage auf, inwiefern nicht doch aus der Memorierung des Zufalls so etwas wie Schönheit entspringen kann?